Klimafreundliche Lieferketten

Ein Großteil der Treibhausgasemissionen deutscher Unternehmen wirdin der vorgelagerten Lieferkette produziert. Daraus ergibt sich ein großes Potenzial für den Klimaschutz. Allerdings sind Lieferketten heutzutage global, hochkomplex und umfassen eine erhebliche Anzahl spezialisierter Akteure, was den Klimaschutz in der Lieferkette für Unternehmen zu einer Herausforderung werden lässt. Möglichkeiten für den Klimaschutz in der Lieferkette gibt es viele: vom lieferkettenübergreifenden Dialog und Wissenstransfer über gemeinsame Energieeffizienzprojekte im Zulieferbetrieb bis hin zu festen Standards und Kriterien bei der Auswahl der Lieferanten.
Die Arbeitsgruppe „Klimafreundliche Lieferketten“ beschäftigte sich genau mit diesen Themen und diskutierte mögliche Lösungen für unterschiedlichste Branchen. Dabei gab es einen Austausch zu den verschiedenen Ansätzen in Unternehmen und deren methodischen Weiterentwicklungen.

Projektergebnis 1

Lieferanten-Klimaschutz-Programm – Anwenderleitfaden zur Einbindung der EinkäuferInnen bei der Reduktion der Emissionen in der Lieferkette

KURZBESCHREIBUNG
Mithilfe des erstellten Anwenderleitfadens werden Unternehmen unterschiedlicher Größen dazu befähigt, eine klimaschutzorientierte Lieferkette durch die entsprechende Ausrichtung der Beschaffung zu gestalten. Im Rahmen der Arbeitsgruppe wurde zu diesem Zweck ein Lieferanten-Klimaschutz-Programm als idealtypischer Prozess beschrieben, der die unterschiedlichen internen Adressaten berücksichtigt. Zum einen werden hier die Aufgaben der Abteilungen, die mit den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz betraut sind, und zum anderen Aufgaben der Fachabteilungen mit dem Beschaffungsbedarf definiert. Das Programm startet mit einem vorbereitenden unternehmensinternen Prozess, der die relevanten Akteure zusammenbringt. Dazu gehören das Management, EinkäuferInnen und Einkaufsleitung sowie Fachabteilungen (z. B. Kommunikation) bzw. Bedarfsträger. Anschließend werden ausgewählte Lieferanten kontaktiert und zum Ausfüllen eines Online-Fragebogens eingeladen, wobei unter anderem Primärdaten zum Klimaschutz (beispielsweise Product Carbon Footprints) sowie weitere relevante Informationen zu Klimaschutzaktivitäten bzw. -wissen abgefragt werden. Mittels dieser Informationen gehen geschulte EinkäuferInnen, ggf. unterstützt durch MitarbeiterInnen der Abteilungen für Nachhaltigkeit, in Einkauf-Lieferanten-Gespräch, in denen das Thema Klimaschutz und überprüfbare Vereinbarungen zur Emissionsminderung besprochen werden. Dieser lieferantenbezogene Prozess (dargestellt in Grün) sollte periodisch wiederholt ud über ein Monitoring (z. B. Lieferantenaudits) geprüft werden. Dabei kann der Leitfaden sowohl als Ergänzung für bereits bestehende Prozesse als auch zur Anpassung an bestimmte Unternehmens- und Branchenbesonderheiten genutzt werden.

MEHRWERT FÜR UNTERNEHMEN
Die Umsetzung des Programms, das im Anwenderleitfaden beschrieben ist, kann sowohl entscheidend zu einer Erhöhung der Transparenz in der Lieferkette als auch zum Aufbau robuster Lieferantenbeziehungen beitragen. Hierbei ist die Einbindung und Schulung der EinkäuferInnen ein zentraler Baustein bei der Gestaltung einer klimaschutzorientierten Lieferkette. Nur durch sie kann sichergestellt werden, dass Kostenrisiken, die sich aus einer mittelfristigen CO2-Bepreisung ergeben könnten, rechtzeitig berücksichtigt werden. Darüber hinaus werden mit dem Programm Akteure, die bisher keine Berührungspunkte mit dem Thema Klimaschutz hatten, sensibilisiert.

EFFEKTE FÜR DEN KLIMASCHUTZ
Durch die Umsetzung eines effektiven Lieferanten-Klimaschutz-Programms werden Potenziale zur Minderung von Emissionen in der Lieferkette gehoben und Anstrengungen zum Klimaschutz in der Lieferkette verstärkt.

Projektergebnis 2

Diskussionspapier – CO2-Monitoringsysteme in der Lieferkette

KURZBESCHREIBUNG
Eine zentrale Herausforderung für die Umsetzung klimafreundlicher Lieferketten ist es, einen effizienten Weg zu finden, wie möglichst viele Wirtschaftsakteure zur Offenlegung der relevanten Informationen für die Abschätzung des Carbon Footprint bewegt werden können. Die Arbeitsgruppe „Klimafreundliche Lieferketten“ diskutierte dieses Thema mit dem Ziel, eine möglichst branchenübergreifende Lösung zu entwickeln, vor allem durch einen Austausch über die unterschiedlichen Ansätze in Unternehmen und die Weiterentwicklung vorhandener Methoden. Die teilnehmenden Unternehmen stellten fest, dass immer noch zu wenig digitale Lösungen zur Steigerung der Transparenz in der Lieferkette auf dem Markt existieren. Dies wurde auch durch eine entsprechende Recherche bestätigt. Auf der Basis dieser Bedarfe und mit dem Einsatz der Design-Thinking-Methode wurde ein System konzipiert, das in einer zentralen Plattform CO2-Emissionen von Unternehmen (beispielsweise CO2-Bilanzen und Product Carbon Footprints) sammelt, automatisiert prüft und Unternehmen und anderen Stakeholdern einheitliche und vergleichbare Informationen wieder zur Verfügung stellt (im Folgenden als „CO2-Monitoringsystem“ bezeichnet). In dem veröffentlichten Diskussionspapier wird zum einen die Diskussion der Arbeitsgruppe zusammengefasst und zum anderen dient es als Anregung für die Politik sowie für Unternehmen und Organisationen, die sich mit Transparenz in der Lieferkette beschäftigen. Das Diskussionspapier empfiehlt, ein CO2-Monitoringsystem als zentrale Plattform in der Form einer öffentlich-privaten Kooperation (PPP) aufzubauen. Die Beschreibung von Standards, die einerseits nur niedrige Einstiegshürden darstellen, aber auch unterschiedliche „ambition levels“ zulassen und fördern, ist ein wichtiges Element.

MEHRWERT FÜR UNTERNEHMEN
Durch die Einbeziehung unterschiedlicher Akteure und die Nutzung einheitlicher Standards bietet ein solches Monitoringsystem Unternehmen einerseits die Chance, die Transparenz hinsichtlich des Carbon Footprint in der Lieferkette zu erhöhen; andererseits wird eine einheitliche Informationsgrundlage für die Auswahl klimafreundlicher Lieferanten geschaffen, die durch eine automatisierte Datenerfassung eine verbesserte Datenqualität aufweist. Die durch das Monitoringsystem ermöglichte Steigerung der Transparenz bezüglich des Carbon Footprint kann darüber hinaus eine Verbesserung der Lieferantenbeziehungen zur Folge haben. Schließlich können die gewonnenen Informationen auch zu einer Sensibilisierung unternehmensinterner Akteure und zu einer proaktiven Steuerung der „carbon risks“ genutzt werden.

EFFEKTE FÜR DEN KLIMASCHUTZ
Das Diskussionspapier hat zum Ziel, Lücken bei bestehenden Systemen und Datenquellen der lieferkettenübergreifenden CO2-Daten aufzuzeigen. Darüber hinaus wurde unter Zusammenarbeit einer breiten und sektorenübergreifenden Gruppe unternehmerischer ExpertInnen ein idealtypisches CO2-Monitoringsystem konzipiert. Dies soll als Grundlage für die weitere unternehmerische wie auch politische Diskussion über Instrumente des lieferkettenübergreifenden Klimaschutzes genutzt werden.

Moderation der Arbeitsgruppe

Moderation:

Michael Kölzer, Hochtief AG

Robert Seiter, EY

Inhaltliche Unterstützung:

  • Melanie Kubin-Hardewig, Deutsche Telekom AG
  • Hans-Martin Obermann, REWE Group

Weiter­führende Informa­tionen

Stichwörter:
Scope 3; Supply Chain; CDP; carbon pricing; carbon tax